Sind Preismünzen im modernen Weinmarketing noch zeitgemäß?

Vortrag von WB Stefan Echter am 21.9.20 im Ordenshaus

Vermutlich werden nur wenige (wenn überhaupt) der anwesenden Weinbrüder beim Weinkauf sich von evtl. Auszeichnungen bzw. Prämierungen leiten lassen. Sie werden sich wohl eher auf ihren persönlichen Geschmack und/oder den Ratschlägen ihrer Winzer verlassen.
Dennoch spielen Weinprämierungen heute eine wichtige Rolle bei der Vermarktung von Wein. Man beobachtet in der Weinwelt  eine wachsende Vielzahl von Weinwettbewerben mit entsprechenden Prämierungen in Form von Auszeichnungen oder/und Preismünzen.
WB Stefan Echter versuchte dazu in einem interessanten Vortrag die Frage zu klären, inwieweit die Weinkonsumenten zu diesen Medaillen stehen und sie ihr Kaufverhalten beeinflussen. Er berief sich dabei neben eigenen Erfahrungen im Wesentlichen auf die Ergebnisse einer Repräsentativbefragung der Hochschule Geisenheim von über 2000 erwachsenen Personen.
Dabei zeigte sich, dass ca. einem Drittel der Befragten keinerlei Prämierungen bekannt sind und dass der Bekanntheitsgrad z.B. bei der DLG Medaille und der Kammerpreismünze kontinuierlich mit dem Alter der Befragten ansteigt. Interessant auch die Aussage vieler Teilnehmer in der Altersgruppe ab 30, dass sie in der Anfangsphase ihres „bewussteren Weinkonsums“ durchaus Medaillen zur Orientierung nutzten. Überraschend für viele der Weinbrüder war das Ergebnis der Befragung, dass bei „Häufig-Trinkern“ Medaillen ein höheres Ansehen genießen als bei „Selten-Trinkern“. Dass Weinkunden der Oberschicht eher bereit sind, für prämierte Weine mehr zu zahlen und deren Ansehen und Qualität tendenziell höher einschätzen als Konsumenten der Unterschicht, leuchtet sicher eher ein.
Zum Abschluss beantwortete WB Echter die Eingangsfrage mit einem klaren „Jein“! Aufgrund der eher geringen Bekanntheit der Prämierungen vermutet er, dass die wenigsten Konsumenten den Unterschied zwischen verschiedenen Medaillen machen. Aus der Sicht des Konsumenten dürfte eine Medaille aber wohl eine geprüfte Qualität signalisieren, ohne dass die Verbraucher die tatsächlichen Qualitätskriterien auch wirklich kennen und hinterfragen.
Seiner Meinung nach muss sich die Weinbranche aber vor einer inflationären Nutzung beliebiger Medaillen schützen, um nicht den Anschein eines „Marketingtricks“ zu erwecken und das bestehende Vertrauen der Verbraucher nicht zu verspielen.

Bernd Dieffenbacher

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